Impulse von der EUFRAS Jahreshauptversammlung 2018 in Warschau
Landwirtschaftliche Beratungsdienste diskutieren die GAP 2021-27, Digitalisierung und Young-EUFRAS

In Warschau stellten sich am 21. Februar 2018 im General Meeting drei Neumitglieder vor. Das EUFRAS-Board wurde neu gewählt und es gab einen Workshop zur Nachwuchsförderung. Die EU-Kommission stellte die Vorschläge zur Innovationspartnerschaft ab 2012 vor. In der Polnisch-Europäischen Landwirtschaftsberater-Konferenz am 22. Februar wurden Konzepte zur Digitalisierung der Beraterarbeit präsentiert und Finanzierungsmodelle der Landwirtschaftsberatung im Hinblick auf die nächste 7-Jahres Finanzierungsperiode der EU diskutiert. EUFRAS (European Forum of Rural Advisory Services) ist das europäische Netzwerk von derzeit 38 ländlichen Beratungsdiensten. Die Vorträge der Konferenz finden Sie unter www.eufras.eu

Das Netzwerk der landwirtschaftlichen Beratungsdienste EUFRAS wächst weiter. Mit dem Staatlichen Trainingszentrum des russischen Landwirtschaftsministeriums und dem privaten Beratungsdienst CONSULAI aus Portugal hat EUFRAS mit seinen neuen Mitgliedern geografisch nun im Westen den Atlantik und im Osten den Ural erreicht. Im Süden Europas ist GAIA EPICHEIREIN aus Griechenland, ein von Kooperativen getragener Beratungsdienst, hinzugekommen. Die drei neuen Mitgliedsorganisationen spiegeln auch die Vielfalt der möglichen Organisationsformen der ländlichen Beratungsdienste wieder: von staatlichen Systemen, zu rein privaten oder genossenschaftlich/bäuerlich getragenen Beratungslandschaften in den verschiedenen Regionen Europas.

Was macht EUFRAS für diese Beratungsdienste attraktiv?

-Natalja Andreeva ist in Russland für die Beraterausbildung zuständig und möchte das Beratungsqualifizierungskonzept CECRA für ihre Landwirtschaftsberater übernehmen und regt außerdem an, ein Angebot für die Top-Berater zu entwickeln.

-Rui Almeida von CONSULAI ist in verschiedenen EU-Projekten aktiv und will sich weiter vernetzen.

-Georgios Kormentzas von GAIA EPICHEIREIN setzt stark auf Digitalisierung in der Landwirtschaftsberatung und interessiert sich insbesondere für Softwaretools in anderen Beratungsdiensten.

Young EUFRAS

Neue Ideen für EUFRAS entstanden im YOUNG-EUFRAS Workshop. Junge Berater aus verschiedenen Ecken Europas fordern ein Stimme in EUFRAS und wollen sich vernetzen. Hierzu würde sich eine EU-Förderung der Reiseaktivitäten für junge Agrarberater im Stile der Erasmus-Förderung anbieten. Diese Diskussion wird auf der IALB-EUFRAS Tagung in Ungarn im Juni 2018 weitergeführt.

Digitalisierung

Im Konferenzteil mit 200 Teilnehmern lag ein Schwerpunkt auf der Digitalisierung der Beraterarbeit

Aus Irland, Finnland und Litauen wurden die besten Software-Lösungen vorgestellt. Vom Podcast der an die Mobiltelefone der Bauern geschickt wird über Vollintegrierte Betriebsberatungssoftware mit Tierhaltung-, Pflanzenbau und betriebswirtschaftlichen Entscheidungshilfen über Abrechnungssoftware bis hin zur neuen GIS-Freeware aus dem EU-Projekt ReCap für Mehrfachantragstellung, Förderberatung und Kontrolle durch die Zahlstellen. Beratungsdienste investieren teilweise viel Geld in Programmierung neuer Anwendungen. Über EUFRAS gibt es die Möglichkeit bewährte Softwaremöglichkeiten von anderen Beratungsdiensten zu übernehmen und so den Entwicklungsaufwand zu minimieren. Jussi Juhola von Proagria Finnland wagte den Blick in die Zukunft, der in Richtung Online-Beratung geht, um Rund um die Uhr ansprechbar zu sein und um Fahrtkosten zu reduzieren.

EIP ab 2021

Hauptreferentin der Konferenz war Inge van Oost von der EU-Kommission, in der DG Agri zuständig für Beratung und Innovation. Zweiter Schwerpunkt war somit die Finanzierung der Beratung vor dem Hintergrund der anstehenden neuen 7-Jahres Finanzierungsperiode der EU. Van Oost stellte die Vorschläge der Kommission zur EIP ab 202 vor. Der Bereich Innovationsförderung mit Operationelle Gruppen und Thematischen Netzwerken, der aktuell in Europa Fuss fasst, soll weiter ausgebaut werden. Inzwischen gibt es in allen Mitgliedstaaten zumindest Ausschreibungen für Innovationsprojekte in multidisziplinären Innovationsgruppen und immer mehr aktive Operationale Gruppen. Nun steht die Vernetzung dieser lokalen Gruppen mit den EU Horizon-2020 Projekten an. Die Berater konnten aus ihrer Praxis ihre Anliegen zur zukünftigen Ausgestaltung der die Beratungsarbeit betreffenden EU-Politik persönlich an die zuständige Beamtin der Kommission mitgeben. Auch die Idee, junge Landwirtschaftsberater, die in der EU den Austausch mit Berufskollegen suchen zu unterstützen, ist direkt bei Inge von Oost angekommen.

Berater sind Innovationsmanager

"Eine Innovation ist eine gute Idee, die erfolgreich in der Praxis umgesetzt und etabliert wurde", so Inge van Oost. Aber verbreiten sich gute Ideen einfach von alleine? Braucht es nicht eine individuelle Anpassungsleistung an die jeweilige Situation? In vielen der Beiträgen und Präsentationen der Beratungsdienste steckte deutlich die Botschaft: „Wir Berater sind die Profis, wenn es darum geht, gute Ideen in der Praxis umzusetzen.

Innovation Support ist unsere Kompetenz. Wir sind Netzwerker, Experten, Technik- und Kommunikationsprofis und Sparring-Partner für Landwirte und Bäuerinnen.“

EUFRAS gibt der Landwirtschaftsberatung in Europa eine Stimme

Es ist ein Verdienst von EUFRAS, dass den Beratern heute eine wichtige Rolle in der Innovationsförderung zugeschrieben wird. Wettbewerbsfähigkeit und Innovation sind erklärte Ziele der EU-Agrarpolitik, genauso wie in regionalen und nationalen Agrarpolitiken. Waren früher nur wissenschaftliche Projekte förderwürdig, hat sich nun mit der EIP und dem Horizon 2020-Programm der Multiakteursansatz durchgesetzt, aufgrund der Erkenntnis, dass sich Innovationen am Besten gemeinsam - mit Praktikern, Beratern und Forschern - umsetzen und sinnvolle Neuerungen nur so der Praxis verankern lassen. Die Berater sind dabei die Netzwerker, die die richtigen Leute zusammenbringen und die Innovationen in die Fläche tragen können.

Im EUFRAS General Annual Meeting wurde turnusgemäß der EUFRAS-Vorstand für zwei Jahre neu gewählt.

Im Amt bestätigt wurden

-Pablo Asensio (AELF Landshut, Bayern/IALB)

-Tom Kelly (Teagasc, Irland)

-Edgars Linde (LLKC Lettland)

-Anton Jagodic (Landwirtschaftskammer Slowenien)

- Michael Kügler (Verband der Landwirtschaftskammern, Brüssel)

-Jussi Juhola, Proagria Finland

Neu in den Vorstand gewählt wurde

-Jazek Wesierski, CDR, Leiter des Staatlichen Beratungsdientes Polen, Abteilung Brwinow

Der neu gewählte Vorstand hat in seiner ersten Amtshandlung Tom Kelly als Präsident und Edgars Linde als Vize-Präsident wiedergewählt.